Geschichten, die die Arbeit schreibt

Der Milchdieb

Es war einmal ein gemeiner Milchdieb, der sich in den frühen Morgenstunden heimlich in fremde Küchen schlich und Milch aus dem dort befindlichen Eisschrank entnahm. Sodann verfeinerte er sein mitgebrachtes Getränk damit, ohne Rücksicht darauf, ob die Milch besonderer Herkunft war oder der Name des Eigentümers darauf gedruckt war. Er hatte ja auch nicht vor zu verraten, dass er die Milch genommen hatte. Schnell stellte er das Gefäß zurück, wusste aber nicht mehr wie er es entnommen hatte, so dass es völlig schief stand und es dem Eigentümer auffallen musste. Doch das war ihm auch egal. Er wollte ja nur sein Getränk verfeinern. Schnell schlich er sich wieder davon, um unentdeckt zu bleiben. Eines Tages jedoch sprach ihn ein Milcheigentümer an und fragte, ob er von seiner Milch genommen hatte. Erschrocken antwortete er, dass er so etwas nie tun würde. Das verstoße schließlich gegen seine Überzeugung. Am nächsten Morgen, als er wieder in die Küche schlich, wusste er nicht, dass das auserwählte Milchgefäß mit einer Farbe bestrichen war. So machte er sich daran sein Getränk zu verfeinern ohne auf das Gefäß zu achten. Er schlich sich nach seiner Tat wieder davon und wurde tatsächlich auch nicht gesehen. Zufrieden genoss er in seinem Versteck sein Getränk und lächelte vor sich hin. Da plötzlich stand der bestohlene Milcheigentümer in der Tür und verlangte die Hände des Milchdiebes zu sehen. Erst jetzt erkannte er, dass er diesmal ertappt worden war. Der Milcheigentümer rief: “ICH HABE DEN DIEB!“, so dass alle umliegenden Ansässigen herbei gelaufen kamen und den Milchdieb anstarrten. Alle tuschelten und schauten strafend drein. Keiner wollte nun mehr mit ihm etwas zu tun haben. Das war dem Milchdieb eine Lehre und er hat von da an nie wieder fremder Leute Getränke gestohlen!

Das hätte man verhindern können

Es war einmal ein Zwerg, der manchmal Sachen kaputt machte, ohne zu verraten, dass er es war. Eines Tages arbeitete er in seinem Bergwerk zu einer ungewöhnlichen Zeit, nachdem schon alle anderen Zwerge nach Hause gegangen waren. Er musste unbedingt noch eine Aufgabe erledigen, weil er den ganzen Tag vertrödelt hatte. Die Aufgabe musste aber unbedingt bis zum nächsten Morgen erledigt sein. Also schaltete er den Generator für die Lampen ein und machte sich an die Arbeit. Als der Zwerg dann den Generator ausschalten wollte, brach ihm dummerweise der Schalter ab, so dass der Generator nicht mehr ausging. Schnell verschwand er nach Hause, ohne weiter darüber nachzudenken. Dass er seine Spitzhacke neben dem Generator liegen gelassen hatte, hatte er auch nicht bemerkt. Inzwischen begannen die Lampen durch den Dauerbetrieb zu überhitzen. Alle Lampen brannten durch, einige explodierten sogar und hinterließen einen schrecklichen Gestank.

Am nächsten Morgen, als die anderen Zwerge zur Arbeit erschienen, wunderten sie sich, was passiert war. Der Generator lief noch, aber das Licht war aus und es roch sehr unangenehm. Ein Zwerg, der eine Taschenlampe dabei hatte, schaute sich um und bemerkte die zerstörten Lampen. Die Zwerge konnten so nicht arbeiten. Doch wer war schuld? Der Taschenlampenzwerg fand neben dem Generator die Spitzhacke des Schuldigen. Er stellte ihn zur Rede und verlangte von ihm, dass er viele Tage den Schaden abarbeiten musste, wenn dann endlich wieder gearbeitet werden konnte. Bis zur Wiederherstellung des Arbeitsplatzes konnten die anderen Zwerge ihren Lebensunterhalt nun nicht bestreiten. Das nahmen sie dem schuldigen Zwerg sehr übel und keiner wollte nun mehr etwas mit ihm zu tun haben. Von da an war er der Kollegenschwein-Zwerg!

Die ungleichen Schwestern

Es waren einmal zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine war klein und dick und hatte schwarzes, krauses Haar. Die andere war groß und schlank und hatte wunderschönes glattes, glänzendes, blondes Haar. Die kleine war liederlich und ignorant, die große war ordentlich und lebte im Einklang mit ihrer Umwelt.

Eines Tages kramte die kleine Schwester im Schrank und stieß dabei die Lieblingstasse der großen Schwester um, die sogar aus dem Schrank heraus fiel. Die kleine Dicke sah, dass Stücke von der Tasse abgebrochen waren, stellte sie aber trotzdem zurück in den Schrank. Auch die abgebrochenen Teile ließ sie einfach liegen. Es war ihr egal.

Als die große Schwester ihre Tasse aus dem Schrank nahm und ihren Tee eingoss, floss dieser direkt wieder hinaus und ergoss sich auf den Teppich. Die Große erschrak und fing an zu weinen, weil ihre Lieblingstasse kaputt war. Wer war das gewesen? Schließlich musste sie auch noch den Teppich reinigen und erst jetzt sah sie, dass da auch noch Teile ihrer Tasse verstreut waren. Der Tassenzerstörer hatte also nicht mal den Schmutz beseitigt! Die große fragte ihre kleine Schwester, weil sie ja wusste, dass die ziemlich schludrig war. Sie verdrehte die Augen und spielte verlegen mit ihren Haaren. Da wusste die Große Bescheid. „Schade“, sagte sie „dass du immer so böse zu mir bist. Ich hab dir doch nichts getan!“ Die Kleine zuckte mit den Schultern und ging in ihr Zimmer. Die Große war sehr enttäuscht und redete von da an kein Wort mehr mit ihrer kleinen Schwester. Leider war ihr das egal, weil sie sich keine Gedanken um ihre Umwelt machte und so verpasste sie viele schöne Dinge, die sie mit ihrer Schwester hätte erleben können!

Das unliebsame Geschenk

Es war einmal ein Mädchen, das in einem kleinen Dorf lebte. Sie kümmerte sich stets um ihre Mitmenschen und fühlte sich in dem Dorf sehr wohl. Eines Tages fand sie beim Aufräumen einen alten, aber funktionstüchtigen Eisschrank. Sie freute sich und brachte ihn, in den Gemeinschaftsraum des Dorfes, so dass ihn alle nutzen konnten. Doch die Menschen in ihrer Umgebung waren leider gar nicht begeistert. Es gab ja schon einen Eisschrank, welcher zwar zu klein war und deshalb nicht für alle reichte, aber bisher hatte das doch niemanden gestört, dachten sie. Alle schimpften darüber und dachten nur daran, dass sie jetzt plötzlich durch den zweiten Eisschrank etwas weniger Platz zum Sitzen hatten. Der Aufwand etwas umzuräumen oder sich selbst Gedanken zu machen war ihnen aber zu groß. Sie stichelten und foppten das Mädchen so lange, bis es ganz traurig war und schließlich zu Hause bleiben musste, weil sie die Anderen nicht mehr ertragen konnte. Der Eisschrank wurde einfach verbannt und alle, denen er nicht gefallen hatte, waren zufrieden. Nur die, die sich darüber gefreut hatten, waren traurig.

Es ging ein wenig Zeit ins Land und der heißeste Sommer, den es je gab, brach an. Alle wollten kühle Getränke, doch der eine im Gemeinschaftsraum vorhandene Eisschrank war sehr schnell voll. Einige konnten gekühlte Getränke genießen, andere mussten sie warm trinken. Speisen, die gekühlt werden mussten, fanden keinen Platz mehr und verdarben. Alle waren unzufrieden. So stritten sie sich, bis der Bürgermeister fand, ein zweiter Eisschrank wäre von Vorteil. Da schauten sich alle an und dachten, den hatten wir doch mal. Sie erkannten nun, dass es wirklich praktisch wäre. „Ach, hätten wir doch auf das Mädchen gehört. Warum haben wir ihr nicht geglaubt und den Eisschrank verbannt?“ Nun sahen sie ein, dass man nicht alles von vornherein verteufeln sollte.

Unentdeckte Talente

Es war einmal im Tal der Zwerge ein fleißiger Schürfzwerg, welcher jeden Tag seit vielen Jahren gewissenhaft und gründlich seine Arbeit tat. Er lebte in einer kleinen, bescheiden eingerichteten Hütte, welche seiner Tätigkeit nach angemessen war. Der Oberzwerg lobte ihn sehr oft und war mit der Arbeit sehr zufrieden. Eines Tages sagte der Schürfzwerg zum Oberzwerg, dass er gern in die Riege der Siebzwerge aufsteigen würde, die die geschürften Edelsteine wuschen und aussortierten. Sie trugen mehr Verantwortung und hatten dafür auch größere Hütten mit bequemeren Betten. Die erforderliche Weiterbildung für den Schürfzwerg würde ein Jahr in Anspruch nehmen und der Zwerg würde dafür einen Tag pro Woche nicht zur Arbeit erscheinen. Der Oberzwerg überlegte nicht lange und sagte, dass er den Zwerg nicht im Geringsten entbehren könne, schon gleich gar nicht jede Woche für jeweils einen ganzen Tag. Der Schürfzwerg war sehr enttäuscht und traurig. Ohne die Weiterbildung hätte er nie die Chance eine bessere Hütte beziehen zu können. Außerdem hätte ihm die höherwertige Tätigkeit viel mehr Spaß gemacht. Von da an tat er bei der Arbeit nur noch das, was er unbedingt musste. Er war nicht mehr so engagiert wie vorher, ging nicht mehr von sich aus auf andere Zwerge zu, um sie zu unterstützen und tat seine Arbeit genauso, wie sie vorgeschrieben war; nicht mehr, nicht weniger. Das sah der Oberzwerg nach einigen Monaten und fragte den Zwerg, warum er denn nicht mehr so gut arbeiten würde wie früher. Der Schürfzwerg sagte ihm gerade heraus, dass er seine Arbeit nach Vorschrift tat, aber keine Veranlassung hatte, mehr zu tun, da er kein Entgegengekommen sah. Der Oberzwerg sagte ihm ehrlich, dass er ihn genau an der Stelle bräuchte, wo er sei und Angst hätte ihn zu verlieren, wenn er besser ausgebildet wäre. Da sagte ihm der Zwerg, dass er ihn auch so verlieren würde, da er sich einen neuen Oberzwerg suche, der ihn fördern würde. Dies geschah auch nach wenigen weiteren Wochen. Der Schürfzwerg erhielt das Angebot vom Oberzwerg der Mine im Nachbarort. Sie vereinbarten, dass der Schürfzwerg diese Tätigkeit für ein Jahr ausübe und danach die Weiterbildung zum Siebzwerg absolvieren dürfe. Danach würde er auch sofort die neue Tätigkeit ausüben dürfen und eine größere Hütte erhalten. Der Schürfzwerg war so glücklich! Er ging zu seinem Noch-Oberzwerg, legte seine Spitzhacke vor dessen Nase und sagte: „So, ab morgen darfst du diese Arbeit selber machen. Ich bin dann weg.“ Er drehte sich um und ging pfeifend von Dannen. Der Oberzwerg blieb verdutzt zurück und musste nun jemanden suchen, der die Arbeit als Schürfzwerg genauso gut erledigen würde, was ihm aber nie gelang.

Organisation ist alles

Es war einmal in einem Bergwerk im grünen Tale, wo die Zwerge edle Steine abbauten. Da gab es Schleifzwerge und Gräberzwerge und natürlich den Oberzwerg. Der Oberzwerg schaute, dass alles mit rechten Dingen zuging. Die Schleifzwerge schliffen die von den Gräberzwergen geschürften Steine und sortierten sie anschließend nach deren Größen in Kästchen. Einer, genannt Schleifer, hatte ein so großes Areal zu bearbeiten, dass der Oberzwerg ihm einen besonders fleißigen, genannt Gräber, an die Seite stellte, um beim Sortieren der geschliffenen Steine zu helfen. Gräber schürfte also nicht nur Gestein, sondern sortierte auch noch Schleifers fertige Arbeit. Mit der Zeit hatte auch Gräber immer mehr zu tun, weil ihm der Oberzwerg weitere Areale zuwies und ihm verantwortungsvolle Bereiche anvertraute. So kam es, dass er kaum noch Zeit zum Sortieren hatte. Schleifer organisierte seine Arbeit leider auch schlechter als andere Zwerge. Vielleicht hatte er sich auch einfach zu sehr daran gewöhnt, dass Gräber immer für ihn die Steine sortierte. Eines Tages wurde Schleifer krank. Ein anderer Zwerg nahm sich eines Teils seiner Arbeit an. Da er jedoch noch sein eigenes Areal hatte, kam er auch nicht zum Sortieren. Als Schleifer wieder im Bergwerk erschien und die viele liegen gebliebene Arbeit sah, wurde er wütend. Er fragte Gräber, ob dieser noch für ihn arbeite. Da Gräber offiziell kein neues Areal zugewiesen bekommen hatte, bejahte er. Nun war auch noch ein anderer Gräberzwerg krank, so dass Gräber dessen Areal zumindest teilweise mit betreute. Gräber machte sich aber keine Gedanken um Schleifers Sortierung, da ja der Oberzwerg die Kontrolle über alles hatte und sich der Sache annehmen würde, falls Schleifer Probleme hätte. Schließlich hatte Schleifer auch nichts vom Sortieren gesagt, so dass Gräber davon ausging, alles sei in Ordnung und leistete seine übliche Zuarbeit. In der nächsten Arbeitsbesprechung aller Zwerge passierte jedoch etwas Unerwartetes. Vor allen Anwesenden forderte Schleifer plötzlich Gräber auf seine Steine zu sortieren. Gräber fiel aus allen Wolken. Der Oberzwerg fand es gar nicht gut, dass Schleifer vor allen anderen seinen Helfer zur Arbeit aufforderte. Vor allem da dieser doch so viel zu tun hatte. Er bestand darauf, dass ein Gespräch zwischen den Dreien stattfinden sollte. Nachdem die anderen Zwerge murmelnd gegangen waren, fing Schleifer fürchterlich an zu schimpfen. Er behauptete Gräber würde sich gar nicht mehr um das Sortieren kümmern, obwohl der Oberzwerg doch versprochen hatte, dass das seine Aufgabe sei. Schleifer sagte, er könne doch nicht alleine ein so großes Areal bearbeiten. Er war sogar der Meinung Gräber hätte nur keine Lust ihm zu helfen. Zum Glück stellte sich der Oberzwerg auf Gräbers Seite. Beide waren entsetzt über Schleifers Worte. Der Oberzwerg erklärte Schleifer, was Gräber jetzt alles zu tun hätte und dass sie sicher eine Lösung finden würden. Die anderen Gräberzwerge könnten ja in einer Hauruck-Aktion mithelfen, dann wäre alles erledigt. Schleifer würde ohnehin nicht für immer so viel Arbeit haben. Der Oberzwerg hatte sich nämlich schon Gedanken über eine bessere Verteilung gemacht. Gräber jedenfalls würde künftig nicht mehr für Schleifer arbeiten. Wenn zwei sich so schlecht verstehen, sollten sie lieber nicht zusammen arbeiten müssen. Schleifer war immer noch unzufrieden und bat Gräber auch nie um Verzeihung. In seinem Gram wurde er schließlich so krank, dass er nicht mehr seine Hütte verlassen konnte und schließlich vereinsamte.