Weiterentwicklung

Letztens war es auf einmal ganz komisch draußen. Da lag so weißes Zeug. Das fühlte sich erst sogar trocken an, aber nach einer Weile bekam ich dann doch nasse Füße. An manchen Stellen, rutschten sogar meine Füße weg, aber ich hab ja vier, da bin ich nicht hingefallen. Aber komisch war das schon. Mutti sagt zu dem Zeug „Schnee“. Meine Wiese war auf einmal weg. Aber meine Geschäfte kann ich darauf trotzdem super machen. Ist schön weich dieser Schnee. Wenn er nur nicht so kalt wäre.
Wenn wir von unserer großen Runde nach Hause kommen, darf ich auch gar nicht mehr auf dem Weg vorm Haus laufen. Mutti sagt, da liegt Salz. Wenn ich davon was an den Füßen habe, fühlt sich das auch ganz komisch an. Ich will das dann ablecken, aber Mutti verbietet mir das sofort und putzt es ab. Schmeckt aber auch echt eklig.

Inzwischen höre ich auch lieber öfter auf Mutti. Ich probiere zwar trotzdem immer noch viel und hoffe, ich darf es dann, aber sie ist da ganz schön streng und konsequent. Mittlerweile finde ich das aber nicht mehr schlimm. Sie sorgt gut für mich, und ich verstehe so langsam, dass es gewisse Regeln gibt, an die ich mich halten muss.
Ich weiß nun auch, dass sie immer wieder kommt, wenn sie mich mal alleine gelassen hat. Sie zu rufen, bringt ja eh nichts. Ich warte lieber brav, dann freut sie sich. Dafür darf ich ja auch oft mit, wenn sie irgendwo hin geht. Da gibt es immer viel Spannendes zu entdecken, und ich bin danach immer ganz müde.

Meistens soll ich in meine Box, wenn Mutti geht. Sie ist aber auch schon mal gegangen, ohne mich in meine Box zu bitten. Ich habe meinen Kaustreifen aufgefuttert und mich dann mal umgesehen. Mir war langweilig. Also habe ich da so eine Tüte gefunden. Nachdem ich sie endlich offen hatte, kam da so komisches Zeug raus. Ich glaube, das ist für Katze. Die hat nämlich ein eigenes Klo. Das Zeug war dann in der halben Küche verteilt. Als Mutti wiederkam, hat sie nichts gesagt, also war das wohl in Ordnung. Seit dem hat sie mich aber nicht wieder alleine in der Küche herum laufen lassen. Ich muss jetzt immer in meine Box. Komisch…

Die Anfänge

Ich bin Arya, eine Russisch-Toy-Terrine und im Juli 2016 geboren. Ich bin manchmal ein typisches Mädchen – hasse Regen, Kälte und Wind. Und manchmal bin ich ein echter Kerl – hebe ein Bein beim Pullern an und scharre manchmal danach mit den Hinterpfoten. Da wo ich jetzt wohne, findet man das wohl ziemlich witzig und nennt mich manchmal „Rüdin“.

Meine Mutti stelle ich ständig in Frage. Sie hat doch keine Ahnung, was ich möchte. Jeden ihrer Schritte muss ich kontrollieren – ich muss sie doch beschützen und auch aufpassen, dass sie bei mir bleibt. Sie macht auch manchmal echt interessante Sachen. Die darf ich doch nicht verpassen! Aber ständig verbietet sie mir was. Das probiere ich doch lieber immer wieder aus. Irgendwann gibt sie bestimmt nach. Sie sagt dann immer „nein“. Wenn ich nicht gleich höre, sagt sie lauter „hey“ und klatscht manchmal sogar in die Hände. Ich mag das nicht, wenn sie so bellt. Da höre ich dann doch lieber damit auf, auch wenn ich nicht verstehe, warum ich so viel nicht darf. Sie begrenzt mich auch ab und zu. Meistens habe ich dann nicht auf „nein“ oder „hey“ gehört. Dann kommt sie zu mir und baut sich so vor mir auf. Ich versuche dann immer an ihr vorbei zu laufen, aber sie lässt mich nicht. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so schnell sein kann.
Am liebsten kuschel ich mit ihr.
Ich soll oft in meine Box oder auf meine Decke, vor allem wenn sie arbeitet. Dort schlafe ich nicht so gern, nur wenn ich ganz doll müde bin. Zum Glück darf ich nachts, wenn sie selbst schläft, zu ihr ins Bett. Das ist so schön kuschelig warm.

Außerdem wohnt hier noch so ein komischer Hund, den sie immer Katze nennt. Die will zwar manchmal spielen, aber wenn ich dann mitmache, zischt die so komisch und haut nach mir. Das verstehe ich gar nicht. Mit Katze würde ich auch gerne mal kuscheln, aber die will ja immer nicht. Wenn ich auf Mutti schlafe, kommt die manchmal und riecht an mir. Dann wache ich auf und freue mich, weil ich denke, sie will schmusen oder spielen. Aber dann zischt die wieder und Mutti hält mich fest. Das wär der Katze wohl zu wild. Ich verstehe die nicht; die ist so komisch. Auch diese komischen Geräusche… die sagt miau. Redet die mit mir oder mit Mutti? Das ist echt eigenartig. Ich glaube fast, die ist gar kein Hund.

Ständig muss ich raus. Ich darf nur draußen meine Geschäfte machen, dabei ist es doch oft so kalt oder sogar nass. Nach dem Aufstehen und wenn es dunkel ist, gehen wir auf eine Wiese hinterm Haus. Aber tagsüber muss ich mit Mutti so weit laufen. Da will ich erstmal gar nicht mit. Leider hilft es nicht, wenn ich jammere oder stehen bleibe. Aber dann nach ein paar Metern macht Mutti manchmal diese komische Leine ab, dann laufe ich dicht bei ihr, weil ich ja gar nicht weiß, wo wir hin gehen. Na ja, eigentlich kenne ich mich hier schon gut aus. Aber man weiß ja nie! Manchmal rennt Mutti mit mir dann auch über so eine große Wiese. Das macht Spaß! Ich bin schneller als sie. Leider bleibt sie dann zwischendurch immer stehen oder geht wieder ganz langsam. Sie hat wohl nicht so viel Puste wie ich. Sie benutzt ja auch nur zwei ihrer Beine. Wie ineffizient! Aber manchmal trägt sie mich dafür mit ihren Vorderpfoten ein Stück, meistens wenn wir gerade losgehen. Dann hab ich auch keinen Bock mehr umzudrehen und laufe lieber mit ihr mit. Sie sagt auch immer „Pippi“, wenn ich pullere. Es kann vorkommen, dass sie das sagt, wenn wir in einer neuen Umgebung sind. „Mach Pippi“ löst bei mir komischerweise das Bedürfnis aus zu pullern. Wenn da Wiese ist, mach ich das dann auch. Ich glaube, so hat sie das sogar beabsichtigt. Sie ist wohl doch nicht so doof, wie ich erst dachte.

Aber dieser blöde Pullover, den sie mir anzieht, wenn es kalt ist… Sie sagt, das sei wichtig, weil ich so kurzes Fell habe. Na ja, ohne wäre es manchmal schon ganz schön eklig draußen. Oder dieses Geschirr, wo die Leine dran kommt – brrrrr. Aber bei den großen Runden nimmt sie die lange Leine. Da fühle ich mich fast frei. Neuerdings klappert da auch noch was, wenn ich laufe. Das ist total komisch. Mutti sagt dazu „Steuermarke“. Ich weiß nicht, was das ist. Aber so hört sie immer, wenn ich hinter ihr her laufe und stehenbleibe. Dann dreht sie sich nach mir um. Wenn ich vorn laufe, sehe ich auch immer mal nach ihr. Dann lächelt sie und freut sich, dass ich warte.

Wenn es endlich Essen gibt, braucht sie immer ewig. Erst isst sie selbst, bevor Katze und ich etwas bekommen. Und dann muss ich auch noch brav warten, bis sie mir den Napf frei gibt. Das nervt! Und vom Boden darf ich nie was aufheben. Dabei riecht doch alles so gut. Ich probiere es trotzdem immer wieder. Irgendwann darf ich das bestimmt auch.

Manchmal lässt sie mich alleine und geht einfach. Frechheit! Ich rufe sie immer, aber sie hört nicht und kommt nicht zurück. Das dauert jedes Mal ewig. Ich versuche auch mich zu ihr durchzubuddeln, aber der Boden ist so hart, da passiert einfach nichts. Und dann auf einmal, obwohl ich gar nichts gesagt habe, ist sie doch wieder da. Dann darf ich auch endlich wieder bei ihr sein. Ich freu mich dann immer ganz dolle, und manchmal bekomme ich was zu naschen. Vielleicht kommt sie ja schneller zurück, wenn ich gleich nichts sage? Das probiere ich mal aus.

Sie lobt mich auch ganz oft, zum Beispiel wenn ich zu ihr laufe, nachdem sie mich gerufen hat. Ich freue mich, wenn sie sich freut. Deswegen mache ich die Sachen, die sie mag, auch ganz oft. Aber ich muss trotzdem immer mal Neues probieren. Vielleicht freut sie sich ja auch irgendwann darüber.

Ab und zu fahren wir auch mal mit dem Auto irgendwohin, wo es total schön ist. Mutti hat da so einen Bekannten, weil sie selbst ja kein Auto hat. Der ist total toll. Der tobt immer mit mir und lässt mich auf sich rumklettern. Das mag Mutti bei sich nämlich nicht. Wenn wir dann mal woanders sind, kann ich ganz viel erkunden. Da riecht und klingt dann immer alles ganz anders. Das ist total spannend.

Wir begegnen auch oft anderen Menschen und Hunden. Mutti macht dann meistens die Leine ab, wenn die anderen Hunde auch ohne unterwegs sind. Das hat sie schon ganz gut raus, dass ich nicht beeinflusst werden will, wenn ich jemanden kennen lerne. Wenn wir aber nur an Menschen vorbei gehen, ist die Leine dran. Dabei riechen die doch immer so interessant. Ich würde gern mal öfter hin gehen, aber Mutti lässt mich nur, wenn die Leute ihr geheuer sind. Dabei kann ich doch auf mich selbst aufpassen. Na ja, das lernt sie sicher noch. Am Anfang war sie auch noch unsicher. Das hab ich genau gemerkt. Sie hatte wohl noch nie jemanden wie mich. Inzwischen ist das aber besser geworden. Ich kann mich auch hinter ihr verstecken, wenn mir mal jemand nicht so ganz passt. Aber eigentlich bin ich ganz selbstsicher. Das mache ich nur für alle Fälle. Wir sind ein echt gutes Team geworden.

Wenn sie sich vor mich ganz gerade hinstellt, will sie was von mir. Ich setze mich dann immer hin und schaue ihr in die Augen. Dann ist sie zufrieden. So machen wir das ja auch, bevor ich essen darf. Sie hat auch schon mal so ein komisches Wort dabei benutzt. Wie war das noch? Ach ja, „sitz“. Aber das ist doch gar nicht nötig. Ich sehe doch, dass ich abwarten soll.

Wenn ich ihr folgen soll, sagt sie „komm“. Das hab ich jetzt schon rausgefunden. Als ob das nötig wäre. Ich laufe ihr ja sowieso meistens hinterher. Und wenn wir draußen an eine Straße kommen, wo so ganz viele dieser Autos sind, soll ich warten. Sie sagt dann „warte“, aber so richtig verstehe ich das nicht. Dann bleibt sie immer stehen und guckt so auf die Straße. Und irgendwann sagt sie „und los“ und rennt dann auch, natürlich langsamer als ich. Ich bin immer viel schneller drüben. Aber dann lobt sie mich wieder und freut sich.

Drinnen gibt es auch manchmal Spielzeuge. Die bekomme ich aber nicht immer. Da gibt es so ein Plüschding. Das liebe ich über alles. Wenn Mutti das wirft oder mir gibt, sagt sie immer „Dotti“. Ich glaube, so heißt das Ding. Ist mir egal. Ich bringe ihr das auch nicht zurück, sondern tobe lieber damit oder schleppe es auf meinen Platz. Dann gibt es da auch noch so einen Kauknochen. Der heißt wohl „Knochen“. Ach egal! Ich halte ihr den oft hin, weil ich Zerrspiele machen will. Aber sie macht nicht mit, hält nur ganz leicht fest und lässt gleich wieder los. Jetzt wo meine neuen Zähne kommen, tippt sie es sogar nur kurz an. Na ja, so gewinne ich wenigstens jedes Mal.

Ich darf auch immer auf so leckeren Knorpel-Dingern herumkauen. Das finde ich toll, und es fühlt sich auch echt gut an den Zähnen an. Diese Schuhe, die die Menschen an den Füßen tragen, darf ich dafür aber nicht benutzen. Auch wenn ich an den Fingern nutschen will, darf ich das nicht. Die nehmen dann immer sofort ihre Hände weg und ignorieren mich einfach. Mutti sagt, ich hätte spitze Zähne und das tue weh. Bei meinen Geschwistern war das damals kein Problem.

Meine Geschwister… die habe ich ja schon total vergessen. In den ersten Tagen hier war das noch alles ganz komisch. Da haben sie mir total gefehlt. Aber inzwischen habe ich hier so viel Spaß, da vermisse ich sie gar nicht mehr.

Gedanken zu Filmzitaten

Nicht nur in „Matrix“ gab es großartige Zitate. Nachdem ich mich hier dazu schon ausführlicher ausgelassen habe, geht es heute um einen Film, den ich kürzlich sah: „The International“. Dort fielen drei Zitate, welche ich mir gleich notieren musste:

Die Wahrheit bedeutet Verantwortung. Genau deshalb fürchtet sie jeder.

In erster Linie liegt diese Verantwortung darin, dass du selbst mit der Wahrheit umgehen musst. Wenn du sie entdeckst, liegt es an dir, sie anzunehmen oder nicht. Wenn dir die Wahrheit unangenehm ist, wirst du wohl eher lieber die Lüge annehmen. Andererseits weißt du dann ja, dass es eine Lüge ist. Die Wahrheit kann aber manchmal schwieriger für dich selbst sein als die Lüge. Wenn dir z. B. immer gesagt wurde, die Erde sei eine Scheibe und du findest heraus, dass sie eine Kugel ist, kannst du fortan jedem sagen, wie es wirklich ist. Man wird dich dafür aber vielleicht lächerlich machen. Es könnte das Weltbild anderer verändern. Sie fürchten sich vor der Wahrheit oder vor dem, was passieren könnte, wenn sie auch die Wahrheit sagen. Für etwaige Konsequenzen wärest du dann verantwortlich, weil du sie ja erst auf die Wirklichkeit gebracht hast. Du musst also selbst entscheiden, ob du die Wahrheit verwendest oder lieber alles für dich behältst und die Lüge weiterträgst.

Meine Eltern z. B. haben mir immer erzählt, ich brauche eine vernünftige Berufsausbildung, um eine sichere Stelle zu erhalten. Also hab ich es genau so gemacht. Leider war ich nicht glücklich in meinem Beruf. Die Aufgaben haben mich schließlich gelangweilt. Ich bekam Burn-Out. Allmählich habe ich erkannt, dass ich so nicht leben möchte. Meine Wahrheit ist also, kein Job kann mich glücklich machen, wenn er mir keine Freude macht. Ich benötige aber auch keine Ausbildung, um andere Sachen zu machen. Ich kann einfach anfangen ein Buch zu schreiben und zu bloggen. Klar, davon leben kann ich nicht, aber das macht mir Freude.

Wenn man keinen Ausweg findet, sollte man tiefer rein gehen.

Hier haben wir eine parallele zum Kaninchenbau. Wenn du erstmal drin bist und nicht wieder heraus findest, musst du dich weiter unten umschauen. Vielleicht findest du schließlich doch den Ausweg – oder sogar eine Möglichkeit den Bau zu deinem Vorteil zu nutzen.

Nach langer Krankheit wegen Burn-Out schwanden so langsam meine Hoffnungen. Was sollte ich nur tun? In den Job zurück kehren, wollte ich nicht. Der hat mich ja letztendlich krank gemacht. Ich hatte aber auch keine Weiterbildung und kein Geld eine anzufangen. Außerdem wusste ich, ich würde sie wahrscheinlich nicht beenden. Ich interessiere mich einfach für zu viele Dinge, um mich festzulegen. Also musste ich tiefer eintauchen, um meinen Ausweg zu finden. Das heißt kündigen oder den Vertrag aufheben und schauen, was kommt…

Manchmal findet man sein Schicksal auf Wegen, auf denen man dachte ihm zu entgehen.

Ich glaube ja eher nicht so an Schicksal – genau wie an Zufall. Aber oft gibt es Situationen, welche mich zweifeln lassen. Für mich passt dann aber der Begriff „Synchronizität“ besser. Wir sind ja doch alle irgendwie verbunden. So etwas wie sogenannte Gedankenübertragung kann dann schon mal passieren. Ich denke an jemanden, und in dem Moment ruft er an. Oder ich habe gestern über ein Problem nachgedacht, und heute finde ich plötzlich unerwartet eine Lösung dafür. Zufall oder Schicksal? Es kann also auch sein, dass ich bewusst einen anderen Weg gehe, weil ich denke einem Problem aus dem Weg gehen zu können. Aber auch auf dem neuen Weg kann mich dieses oder ein anderes Problem ereilen. Probleme müssen aber nichts Schlechtes sein. Ich bin da eher lösungsorientiert. Das fördert auch meine Kreativität. Außerdem sollte man offen für Neues sein. Oft findet sich dann eine Lösung, die man gar nicht erwartet hätte. Es lohnt sich also, auch hin und wieder mal die Richtung zu wechseln.