Vom Schein zum Sein

Ständig musste ich Erwartungen erfüllen, die meiner Mutter, die der Lehrer, die der Männer. Ich mochte mich selbst nicht. Ich war nicht ich selbst. Als Kind hatte ich alles – materielle Dinge. Es ging mir gut. „Tu dies und jenes nicht.“, „Nein, mach das so.“, „Stell dich nicht so an.“ und andere Sätze hörte ich jeden Tag. Ich war nicht richtig. Ich konnte nichts. Ich war wertlos. Wer war ich überhaupt?

Meine Transformation begann mit 37. Glücklich geschieden, kein Haus mehr an der Backe, kein Auto. Ja, ich begann frei zu werden! Ich fand Freude in den kleinen Dingen und in den großen – in der Natur. Ich trennte mich – radikal – von Menschen, die mir nicht gut taten. Diese Trennung geht nicht immer physisch, aber sehr wohl psychisch und von Herzen. Dafür begegnete ich anderen Menschen, die mir sehr gut tun. Wohl jeder kennt den Spruch: Schließt sich eine Tür, öffnet sich dafür eine neue. Ich begann mich gut zu ernähren, zu spüren, was mein Körper benötigt und was ihm gut tut. Ich begann mich zu lieben. Und ich liebe mich, alles an mir. So sehr, dass ich sogar ein kosmetisches Problem beheben ließ. Jetzt bin ich noch schöner als jemals zuvor. Ich bin nicht nur schön, sondern auch reich – reich an Erfahrung, Dankbarkeit, Liebe. Und ja, ich habe eine Macke und ich liebe sie. Ich liebe alle meine Macken. Ich bin richtig so! Wenn ich in den Spiegel sehe, lächle ich. Ich werfe mir auch oft ein Augenzwinkern oder einen Kussmund zu. Diesen Menschen im Spiegel, diese tolle Frau, muss man einfach lieben. Deshalb kann ich mein Herz auch für andere Menschen öffnen. Menschen, die mich bereichern – mit ihrem Sein. Nein, ich bin nicht perfekt (aber nah dran 😀 ), und das muss ich auch nicht.

Während ich das schreibe, muss ich lachen. Das bleibt nicht aus. Ich lache gern über mich. Ich lache überhaupt gern. Der „Ernst des Lebens“ ist eben lächerlich. Komm, Ernst, erzähl mir mal was von dir. Was habe ich von dir? Was kannst du mir geben, was ich nicht schon habe? Wie geht’s dir? Ernst ist nicht das Leben – das Leben ist nicht ernst. Wenn das Universum das gewollt hätte, hätte es von Anfang an alles anders gemacht. Es hätte nicht mit Materie und Antimaterie gespielt. Es hätte nicht Planeten kollidieren lassen. Es hätte keine Supernovae zugelassen. Es wäre dann aber gar nicht existent. Unsere Existenz ist also ein Spiel. Warum sollten wir uns nicht darauf einlassen? Wenn wir uns wie Roboter verhalten, hat das Leben keinen Raum. Denn leben heißt lebendig sein. Roboter sind nicht lebendig – zumindest physisch. Ich liebe Technik, ziehe den Hut vor vielen Errungenschaften unserer Zeit. Aber ich möchte selbst lebendig sein und nicht ein totes Ding, wie mein Computer (den ich natürlich auf gewisse Weise mit Leben füllen kann). Lebendig kann ich nur sein, wenn ich weiß, wer ich bin und mich auf das Leben einlasse, mit allen Facetten, die es zu bieten hat. Selbstakzeptanz, Selbstliebe, Selbstwert – ohne geht es nicht. Ich wünschte, alle Menschen würden das erkennen!

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Selbst-Bewusst-Sein

Selbstbewusstsein bedeutet nichts anderes, als sich selbst bewusst sein, seine Stärken und Schwächen kennen und diese schließlich optimal nutzen. Dazu gehört es, seine Stärken zu stärken und seine Schwächen, nicht abzuschwächen, sondern in Stärken zu wandeln, oder besser seine Schwächen akzeptieren und nutzen.

Eine meiner Stärken ist das Zuhören, eine andere Empathie und wieder eine andere „gutes Deutsch“. Eine meiner Schwächen ist Ungeduld.

Nun, ich habe gelernt geduldiger zu sein. Ungeduld kann mir aber zeigen, dass ich mit einer aktuellen Situation schlicht überfordert bin. Dann sollte ich mich eben zurückziehen. Das „Geheimnis“ ist einfach bei sich selbst zu sein, immer. Im Moment leben, nicht ständig über Vergangenes (können wir eh nicht ändern) oder Künftiges (kommt früh genug und meist eh anders) nachdenken.

Klar, das fällt oft schwer. Man kann es aber lernen. Ich habe es gelernt. Ich bin immer öfter im Hier und Jetzt und bei mir selbst. So erwächst aus dem Selbstbewusstsein auch schließlich Selbstvertrauen. Vertrauen in meine Fähigkeiten, in mein Sein.

Gesprächsrunde – Herz und Kopf

Freude: Hach, das Leben ist toll! Lass uns raus gehen, die Natur genießen, den Kopf frei machen…

Zweifel: Moooment! Wie jetzt, Kopf frei machen?!

Freude: Das Herz öffnen, das Leben genießen, mich leben!

Zweifel: Häh?! Wer kann sich das denn leisten?!

Freude: Was hat „sich das leisten“ damit zu tun? Ich bin hier; lebe mich!

Angst: Äh, nee, da muss ich jetzt mal einschreiten. Es muss Miete bezahlt, gegessen und verpflegt werden. In den Tag hinein leben, kann das nicht!

Zweifel: Genau! Wo kommen wir denn da hin?!

Liebe: Jetzt muss ich mich mal einmischen. Dieser Mensch ist auf die Welt gekommen, um zu leben und zu lieben. Sich selbst. Und Liebe zu geben, zu empfangen. Was wäre das Leben ohne Freude und Liebe?

Zweifel: Der Ernst, so wie es nun mal ist. Von Luft und Liebe kann man nicht leben.

Angst: Genau. Der Mensch wird verhungern und unter einer Brücke schlafen müssen. Wie soll er seine Familie versorgen?

Freude: Oh, so starre Ansichten!

Zweifel: Geld regiert die Welt!

Liebe: Oh nein, ich regiere die Welt. Ohne mich gäbe es die Menschheit nicht. Die Menschheit war weit vor dem Geld da!

Zweifel: Ohne Geld geht es nicht!

Angst: Genau!

Freude: Hört ihr diese Musik? Seht ihr, was es mit dem Herzen des Menschen macht, wie sie ihn berührt?

Angst: Musik? Nein. Ich bin einfach hier. Ohne mich, stürzt sich der Mensch ins Unglück.

Liebe: Der Mensch braucht dich, liebe Angst, um nicht blind ins Unglück zu rennen, das stimmt. Wir beide, Du und Ich, sind eng miteinander verbunden. So soll es auch sein. Letztendlich bin ich es aber, die dem Menschen gibt, was er braucht. Du darfst sein, genau wie ich. Die Freude steht über allem. Ohne sie ist der Mensch ein Häufchen Elend, deprimiert, demotiviert und allein.

Angst: Hmm, das ist irgendwie einleuchtend. Was sagst du dazu, Zweifel?

Zweifel: Äh, na ja, aber… *hmpf*

Freude: Seht ihr, es ist gar nicht so schlimm. Jeder Zweifel und jede Angst darf sein. Ich und die Liebe sind hier, um euch anzunehmen und dem Menschen zu vermitteln, was wirklich zählt.

Liebe: Wahre Worte!

Wie werde ich mit all dem fertig?

Zahlreiche Krankheiten begleiten mich schon mein Leben lang. Irgendeinen Sinn werden sie haben. Und: sie sind definitiv nicht tödlich. Ich werde sie überleben, das ist das Wichtigste!

Seit meiner Pubertät habe ich Rückenschmerzen. Okay, sie zwingen mich dazu mich mehr zu bewegen und heraus zu finden, wann ich mich entspannen muss.

Eine Schilddrüsen-Unterfunktion quält mich seit vielen Jahren. Nun gut, ich nehme Medikamente und habe meinen Vitamin- und Mineralstatus geprüft und kümmere mich darum.

Schuppenflechte (Psoriasis) habe ich seit dem Abi 1998. Es ist nicht schön, wird mal schlimmer, mal besser; es ist immer da. Meine Haut wird einen Grund dafür haben. Ich kümmere mich um sie, um mich. Kein Grund mich nicht zu lieben, wie ich bin!

Ich vertrage Laktose und Gluten nicht. Na ja, dann lasse ich beides eben weg.

Meine Arbeit macht mich krank. Ich bin im öffentlichen Dienst angestellt. Also gut, dann muss ich das ändern. Was habe ich davon freudlos am Schreibtisch zu sitzen und Dinge abzuarbeiten, die keine wirklichen Ergebnisse liefern? Meine Zeit ist zu kostbar dafür! Eine Reduktion von 40 auf 30 Stunden pro Woche war erst mal eine Wohltat, letztendlich jedoch nicht die wahre Erfüllung.

Was ist Erfüllung? Geht es nicht darum zu leben? Wie lebt man denn? Sollte man nicht die kleinen Freuden des Lebens genießen, es so nehmen, wie es kommt? Ja, unbedingt! Es gibt viel zu entdecken. Ich liebe die Natur! Dort liegt meine Erfüllung. Dort kann ich ich selbst sein, Freude empfinden. Alles einfach fließen lassen.

Liebe! Liebe zu sich selbst, zu anderen, zum Sein. Das ist die Essenz des Lebens. Wir sind hier, um genau das zu erfahren. Die Erde ist kein Arbeitsplanet. Ich habe keine Lust auf freudlose Tätigkeiten, für die ich ein „Schmerzensgeld“ erhalte. Ich will leben und das voll und ganz. Das Universum hält alles bereit, was ich dafür brauche. Ich werde nicht sterben, wenn ich kein Geld habe. Es wird immer Möglichkeiten geben. Lösungen für Probleme zu finden, hält geistig rege. Meine Gaben wollen gelebt und geteilt werden. Es gibt Menschen und Tiere, die meine Gaben brauchen und erfahren wollen. Ich gebe sie gern, lasse andere teilhaben. Und dann kommen Liebe und Freude von ganz allein, und ich lebe sie. Ich werde viel mehr zurück erhalten, als ich nur erahnen kann.

Alles ist im Übermaß vorhanden, alles fließt, ist reine Energie.

meine Sternenkatzen

Stand: Mai 2017

Sweety (Perser), ist mit 12 Jahren im Mai 2017 verstorben. Sie hatte ich im Alter von 2 Jahren bekommen. Nach kurzer, schwerer Krankheit schlief sie zu Hause ein. Die Ursache war Nierenversagen, offensichtlich verschleiert durch eine Schilddrüsen-Überfunktion.

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Minki ist im September 2013 verstorben. Sie hatte CNI (Chronische Niereninsuffizienz), von welcher sie schließlich durch Einschläfern erlöst wurde, nachdem ich sie ein halbes Jahr gepflegt hatte. Minki war aus dem Tierheim. Mit 14 habe ich sie von dort geholt, und 18 Jahre alt ist sie geworden.

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Chewie (Maine Coon), ebenfalls aus dem Tierheim, ist mit 13 – nach 3 Jahren bei mir – plötzlich und unerwartet erkrankt und wurde im Dezember 2014 nach nur 24 Stunden des Leidens erlöst. Anfang 2013 wurde bei ihm Felines Asthma diagnostiziert, was ich eine Zeit lang erfolgreich inhalativ mittels AeroKat behandelt hatte.

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Dunkles Verlangen

Anna sah in den Spiegel, neigte ihr Gesicht dicht an ihr Ebenbild heran. Ihre Augen… sie fand schon immer, dass ihre Augenfarbe nicht so wie die der anderen Menschen war, die sie kannte. Die Grundfarbe war blau oder mehr graublau, je nach Lichteinfall. Außen war ein dunkelblauer Ring und um die Pupille herum strahlenförmig eine andere Farbe – grünbraun. Schwer zu beschreiben. Anna betrachtete ihre Augen wie jeden Tag einen Moment lang fasziniert und ging dann ihren alltäglichen Tätigkeiten nach.

Sie arbeitete als Schreiberling in der Redaktion einer kleinen Lokalzeitung. Heute standen erste Recherchen für ihren neuen Artikel an, welcher gewöhnlich im Bereich Feuilleton angesiedelt war. Dazu wollte sie in einen Club ihrer Stadt, das Dark Rose, gehen und erhoffte sich Menschen zu treffen, die genau das taten, worüber sie schreiben wollte. Sie hatte den Tipp von einem Kollegen bekommen, der wiederum jemanden kannte, der sich dort ab und zu herumtrieb. Anna kleidete sich sorgfältig in ein Ausgeh-Outfit, figurbetonte Jeans, dunkelrotes Top, schwarze Rüschenbluse und legte ihr Abend-Make-Up auf. Sie betonte besonders ihre schönen Augen und schenkte ihren Lippen noch ein zartrosa Gloss. Zufrieden warf sie ihrem Spiegelbild einen Kussmund zu und machte sich auf den  Weg.

Am Dark Rose angekommen, kam sie problemlos am Türsteher vorbei. Die Zeiten waren vorbei, als man sie noch nach dem Ausweis fragte. Sie sah zwar jünger aus als andere ihres Alters, aber mit Anfang 30 konnte man sie eben auch nicht mehr für unter 18 halten. Lächelnd bezahlte sie ihren Eintritt und verzichtete darauf sich den Clubstempel auf das Handgelenk verpassen zu lassen. Sie hasste diese Stempel und hatte auch nicht vor hinaus zu gehen, bevor sie den Heimweg antrat.

Drinnen war es überwiegend düster. Die Tanzfläche, auf der sich wenige Leute tummelten, war mittels Lasern ins rechte Licht gerückt. Anna suchte sich einen Platz an der Bar, bestellte sich ein Glas Weißwein und beobachtete aufmerksam die Gäste. In den Ecken des Clubs waren gemütliche Sessel und Sofas aufgestellt. Dort saßen Pärchen, knutschend, tuschelnd, lachend. Erstaunt beobachtete sie wie eines der Pärchen eng umschlungen seiner Leidenschaft frönte. Er küsste ihren Hals wild und sie sah sehr erregt aus. In den Gläsern der meisten war offensichtlich Rotwein, musste das Szenegetränk hier sein. Anna saugte mit ihren scharfen Sinnen alles auf, das grelle Laserlicht, die Geräusche der Gäste, die laute Musik… ihr wurde etwas schwindelig.

Plötzlich setzte sich jemand neben sie an die Bar. Anna schaute leicht erschrocken hinüber. Es war ein gut aussehender, junger Mann, vielleicht Ende Zwanzig, mit schönen, hellen Augen und einem perfekt geformten Mund. Er war schlank, gut gekleidet und hatte gepflegtes dunkles Haar. „Hi“ sagte er und lächelte kurz. Anna nickte zur Begrüßung und widmete sich ihrem Glas. Sie fühlte sich ertappt. Hatte sie die Gäste zu intensiv beobachtet? „Suchst du jemanden?“ fragte der junge Mann. Anna verschluckte sich fast. „Äh, nein, also naja, nicht direkt“ stammelte sie. „Vielleicht kann ich dir ja helfen, mir gehört der Laden.“ Der Mann schaute sie erwartungsvoll an. „Tom“ sagte er knapp und reichte ihr die Hand. „Oh, angenehm, Anna. Begrüßen Sie, äh, Du alle neuen Gäste persönlich?“ Tom lächelte, wobei seine weißen Zähne hervor blitzten. „Nur die hübschen“ sagte er belustigt. „Im Ernst, wir kennen uns hier alle und der Türsteher hat die Anweisung nicht jeden rein zu lassen. Entweder man kommt in Begleitung eines Stammgastes oder man sieht so aus, als gehöre man hierher“ erklärte Tom und musterte sie bei den letzten Worten von oben bis unten. Anna war das sichtlich unangenehm. „Keine Angst, wir tun dir ja nichts“ beeilte sich Tom. Anna fasste wieder Selbstvertrauen. „Erzähl mir mal was von dir“ forderte Tom sie schmunzelnd auf. Anna erzählte von ihrer Arbeit als Journalistin und, dass sie nicht ganz zufällig hier war. „Ich möchte einen Artikel über Menschen schreiben, die – warum auch immer… äh, naja, das klingt vielleicht blöd… Blut trinken“ gab Anna zu. Sie berichtete, dass sie kürzlich eher zufällig auf diese Art modernen Vampyrismus gestoßen war. Tom sah zum Barkeeper und hob nur ganz kurz seinen Zeigefinger. Sofort tauchte dieser kurz ab und stellte dann ein gefülltes Glas vor ihm ab. Tom schob das Glas zu Anna. Ihre Augen weiteten sich. War das Blut? Auf den ersten Blick hatte sie angenommen, es wäre Rotwein gewesen, doch nun sah sie, dass dieses Getränk dickflüssiger war. Sie konnte ihren Blick nicht mehr davon lösen. „Möchtest du kosten?“ fragte Tom plötzlich. Anna zuckte leicht erschrocken zusammen, nickte dann aber neugierig. Sie nahm zunächst nur einen kleinen, dann aber doch noch einen kräftigen Schluck und dachte im ersten Moment, ihr würde schlecht. Es schmeckte tatsächlich wie Blut. Nach wenigen Augenblicken begann sie sich jedoch richtig gut zu fühlen. Sie war hellwach. Ihre Wangen waren leicht gerötet. Begeistert sah sie Tom an. „Wow“ brachte sie nur heraus. Er nickte wissend. „Mehr solltest du aber erst mal nicht davon trinken. So was braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit.“ Anna nickte verstehend.

Tom spürte, dass er Anna vertrauen konnte und wollte noch mehr über sie wissen. So erzählte sie, wie sie zu ihrem Job gekommen war. Tom merkte, dass das eigentlich nicht ihr berufliches Ziel gewesen war und schaute sie erwartungsvoll an. „Ich wollte eigentlich Bibliothekarin werden,“ sagte sie verlegen „habe aber das Studium nicht geschafft.“ Eine zarte Röte stieg ihr ins Gesicht. Warum auch immer, schämte sie sich tatsächlich dafür. Es war immer ihr Traumberuf gewesen. Nun, da sie ganz passabel schreiben konnte, ging sie eben ihrem zweiten Traumjob nach. Er lächelte. „Bibliothekarin, soso. Ich habe in meinem Haus eine kleine Bibliothek. Dort herrscht ein ziemliches Chaos. Also eine Bibliothekarin könnte mir tatsächlich helfen.“ Tom hatte das eigentlich scherzhaft gemeint, sprach es aber aus irgendeinem Grund ernster als gewollt aus. Anna wurde sofort hellhörig und sah ihn begeistert an. „Eine eigene Bibliothek?“ fragte sie mit kindlicher Überraschung. Zu gern wollte sie diese sehen. Aber sie konnte ja nun nicht einfach mit einem Fremden mitgehen. Deshalb nahm sie sich sofort wieder zurück und nippte nachdenklich an ihrem Weinglas. „Ich würde sie dir ja gern zeigen, aber ich glaube, dazu kennen wir uns noch zu wenig, hm?“ Konnte er Gedanken lesen? Sie nickte zustimmend, doch der Glanz in ihren Augen verriet sie. „Wenn wir uns etwas besser kennen, okay?“ Erleichtert sah sie ihn an und lächelte. „Das heißt, du willst mich kennen lernen?“ fragte sie, obwohl ihr das inzwischen schon klar war. Er nickte und sah ihr tief in die Augen. „Du hast wunderschöne Augen. Eine faszinierende Farbgebung“ sagte er ernst. Anna wurde ganz warm, sie fühlte sich etwas schwach. „Danke“ sagte sie verlegen. „Entschuldige, ich wollte nicht aufdringlich sein“, sagte er schnell und lachte herzlich. Wieder ließ er dabei seine akkuraten, gut gepflegten Zähne aufblitzen. Anna lachte mit. Das könnte der Beginn einer wundervollen Freundschaft sein, dachte sie.

Sie verabredeten sich ein paar Mal zu harmlosen Treffen. Einmal gingen sie ins Kino, das andere Mal gemeinsam ins Dark Rose, wieder ein anderes Mal verabredeten sie sich für einen Museumsbesuch. Sie verstanden sich super und hatten viele gemeinsame Interessen. Anna war fasziniert von Toms Kultiviertheit und seinem Aussehen. Tom liebte Annas unbeschwerte Art und freute sich jemanden gefunden zu haben, der ebenfalls Bibliotheken und Museen so liebte wie er. Anna hatte inzwischen aufgegeben ihren Artikel zu schreiben, weil sie das unerklärliche Gefühl hatte, Tom oder seine Gäste damit zu verraten. Nach dem fünften Treffen schließlich bot er ihr endlich an, ihr seine eigene Bibliothek zu zeigen. Anna war tatsächlich aufgeregt und sehr gespannt.

Tom hatte Anna für den nächsten Morgen eingeladen. Sie sollte um neun erscheinen, dann würde auch seine Putzfrau mit ihrer Arbeit beginnen. Seine Putzfrau! Anna war total auf das Haus gespannt.

Als sie schließlich davor stand, blieb ihr buchstäblich die Luft weg. Ein Wahnsinns-Anwesen mit einer riesigen Villa, alles wundervoll begrünt und mit Blumen bepflanzt. Tom hatte mit Sicherheit auch einen Gärtner. Die Putzfrau kam auch gerade an und grüßte freundlich. Natürlich hatte sie einen Schlüssel für das Tor und auch die Haustür. Anna ging mit ihr hinein und stand in der Eingangshalle. Es war wirklich eine Halle. Sie kam sich etwas verloren vor. Aber alles gefiel ihr sehr. Wie konnte Tom sich das nur leisten? Plötzlich stand Tom vor ihr. „Hi“ sagte er fröhlich. „Du fragst dich, wie ich mir das leisten kann, oder?“ Anna erschrak etwas. Dieser Typ musste Gedanken lesen können. So etwas gab es ja aber gar nicht. Oder? Sie nickte und sah sich fasziniert um. „Na komm, du willst doch nur einen Raum sehen.“ Er lächelte und ging voraus. Anna maß erstaunt die Räume mit ihren Augen und erhaschte Blicke in die anliegenden Zimmer. Als ihr Blick auf Tom fiel, blieb er unweigerlich an ihm hängen. Er hatte eine perfekte Figur und sein Gang war elegant. Sie riss sich wieder zusammen und folgte ihm stumm. Sie gingen eine Treppe hinauf und betraten die Bibliothek.

Tom hatte weit untertrieben. Eine kleine Bibliothek war das nicht. An jeder Seite des Raumes befanden sich neun riesige Regale, die bis unter die Decke reichten. Alle waren nahezu voll mit Büchern. Auf dem Boden und dem Schreibtisch, einem riesigen antiken Sekretär in der Mitte des Raumes, stapelten sich weitere Bücher. Es herrschte zweifellos ein Durcheinander. Ein Blick in eines der Bücherregale verriet ihr, dass die Werke nicht nach einem bestimmten Schema geordnet waren. Sie waren vermutlich einfach nach dem Erwerb, so wie sie eben kamen, hinein gestellt worden. Anna ging langsam an den Regalen entlang und ließ ihre Finger sanft über die Buchrücken gleiten. Die meisten waren sehr alt oder wirkten zumindest so. Ein herrlicher Anblick! Lächelnd sah sie zu Tom. Er hatte sie, an den Türrahmen gelehnt, fasziniert beobachtet und lächelte zurück. Genauso jemanden brauchte er. Jemanden, der seine Bücher so liebte wie er selbst. „Und, traust du dir diese Aufgabe zu?“ fragte er gerade heraus. Sie nickte. War das ein Jobangebot? Fragend schaute sie zu ihm hinüber. „Ich bezahle dich natürlich, das steht außer Frage. Sind für den Anfang Zweitausend im Monat okay?“ Sie schaute ihn erstaunt an. „Das ist sogar ganz schön viel“ fand sie. „Nun,“ antwortete er „ich könnte mir vorstellen, dass das hier einer Lebensaufgabe gleich kommt.“ Sie ließ noch einmal ihren Blick über die Bücher gleiten und nickte bedächtig. „Ja, doch, könnte sein. Aber eine schöne!“ Lächelnd sah sie ihn an und wusste, dass sie diesen Job annehmen würde. Am liebsten wär sie ihm um den Hals gefallen und hätte ihn geküsst, aber so gut kannten sie sich ja nun wirklich nicht. Und außerdem waren sie ja nun auf dem besten Weg zu einem Vorgesetzten-Angestellten-Verhältnis. Ihr Herz schlug schneller und aus dem Augenwinkel sah sie ihn verstohlen an. Er hatte sich einem Bücherstapel zugewandt. Er sah verdammt gut aus, fand sie. Sie schüttelte den Gedanken aus ihrem Kopf und wandte sich wieder den Bücherregalen zu. „Also abgemacht. Ich rufe meinen Anwalt an und lasse einen Arbeitsvertrag aufsetzen. Wenn du möchtest, kannst du dann morgen schon anfangen.“ Anna schaute zustimmend zu Tom und sagte: „Ich würde am liebsten gleich anfangen, habe heute sowieso nichts weiter vor.“ Tom lächelte, machte eine einladende Handbewegung und verließ den Raum, um zu telefonieren. Auf dem Sekretär stand ein Laptop, der eingeschaltet war. Anna verschaffte sich rasch einen Überblick über die vorhandenen Programme und entwarf schnell eine grobe Datenbank, mit der sie die Bücher erfassen konnte. Ehe sie sich versah, war sie mittendrin und völlig in ihre neue Aufgabe vertieft. Es war wie in einem schönen Traum.

Anna widmete sich, so oft sie konnte, Toms Büchern und ging ganz in ihrer Arbeit auf. Die Stelle bei der Zeitung hatte sie inzwischen gekündigt. Oft saß sie bis tief in die Nacht am Schreibtisch und las auch in vielen der Bücher mehr als nur die Klappentexte. Manche waren uralt. Das älteste, das sie bisher in den Händen gehalten hatte, war aus dem 18. Jahrhundert. Faszinierend! Die Bücher hatten zum Teil auch dicke Staubschichten angesetzt, welche sie sorgfältig beseitigte. Einige legte sie beiseite, um sie restaurieren zu lassen. Zum Glück konnte Tom sich das ja leisten. Er ließ ihr abends immer etwas zu essen kommen, weil sie alles um sich herum vergaß. Er kümmerte sich rührend um seine Angestellte und lobte ihre Arbeit. Oft saßen sie auch nur so in der Bibliothek oder unten im Wohnzimmer vor dem Kamin beisammen und unterhielten sich stundenlang. Tom hatte so viel Ahnung von Geschichte. Er erzählte oft, als wär er selbst dabei gewesen. Anna fand, dass er auch Schriftsteller hätte werden können. Tatsächlich schrieb er auch hin und wieder historische Texte.

Die beiden verband inzwischen eine innige Freundschaft, aus der leicht hätte mehr werden können, wenn Anna nicht so viel Respekt vor Tom gehabt hätte. Sie fand es irgendwie, für sich selbst unerklärlicher Weise, unpassend, ihm zu sagen, dass sie eigentlich sogar für ihn schwärmte. Sie fühlte sich unweigerlich sehr zu ihm hingezogen. Tom ging es jedoch nicht anders. Auch er schwärmte für Anna, liebte ihre Leichtigkeit und durfte doch diese Beziehung nicht zu innig werden lassen. Er trug ein Geheimnis mit sich herum, welches er Anna gern verraten wollte, fürchtete jedoch, dass sie dann nie mehr so unbeschwert hätte sein können. Er fühlte sich schrecklich deswegen.

Anna hatte einen weiteren Nachmittag in Toms Bibliothek verbracht, die Katalogisierung war schon ganz gut voran geschritten, ihr Ordnungssystem hatte sich bewährt, es lagen keine Bücher mehr unachtsam gestapelt herum.

Es war schon Abend als Tom nach Hause kam und keine Geräusche im Haus vernahm. Er betrat leise die Bibliothek. Anna war am Computer eingeschlafen. Sie hatte ihren Kopf nur ganz kurz auf ihren Arm legen und ihre Augen ausruhen wollen. Tom stand neben ihr und betrachtete sie eingehend. Er sog ihren Duft ein, den er wundervoll fand. Sacht strich er über ihr Haar. Sie regte sich und sah ihn verschlafen an. „Oh, ich bin eingeschlafen“ sagte sie verlegen. „Das ist doch nicht schlimm“ sagte er sanft. „Du kannst nebenan auf dem Sofa ein wenig ausruhen, wenn du möchtest.“ Sie räkelte sich und merkte, dass ihr Rücken leicht schmerzte. „Gern“ sagte sie und lächelte müde. Sie schlurfte nach nebenan und ließ sich auf dem großen Sofa nieder. Es war so bequem, dass sie sich gleich lang machte. Tom kam mit einer Decke herüber, die er über ihr ausbreitete. Sie schloss lächelnd die Augen und genoss Toms Anwesenheit. „Ich muss dir etwas sagen“ sagte er sehr leise. „Hmmhm“ machte Anna verschlafen ohne die Augen zu öffnen. Tom sprach ruhig weiter. „Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die für die meisten Menschen nicht existieren, aber dennoch sind sie wahr.“ Anna hörte Toms Stimme, als sei er weit weg. Sie nickte langsam, verarbeitete seine Worte aber nicht wirklich. Tom strich wieder über Annas Haar. Dann ließ er seine Finger ganz sanft über ihre Wange gleiten. Anna lief ein Schauer über den Rücken, sie erwachte jedoch nicht. Toms Hand glitt weiter über ihr Gesicht den Hals hinunter bis zu ihrem Schlüsselbein. Ein weiterer Schauer, und trotzdem wurde ihr jetzt ganz warm. Tom legte seine Hand auf ihre Wange. Jetzt schlug sie doch die Augen auf und legte ihre Hand auf seine. „Was ist los?“ fragte sie. Tom sah sie traurig an. „Was ich dir sagen möchte, könnte dein Leben verändern“ warnte er. Anna machte große Augen; sie war plötzlich hellwach. „Das Bluttrinken hat mich verändert“ begann er fast flüsternd. „Sehr sogar.“ Forschend blickte er ihr in die Augen. Anna stockte der Atem. Sie wagte ihren Gedanken nicht auszusprechen. „Anna, ich erzähl dir das nur, weil ich dich sehr ins Herz geschlossen habe und ehrlich zu dir sein möchte. Wenn du das alles nicht wissen willst oder mit mir nichts mehr zu tun haben willst, verstehe ich das.“ Anna schluckte, schüttelte dann aber den Kopf. Sie fand keine Worte, wusste aber, dass sie es erfahren wollte. „Also gut,“ fuhr Tom fort, „ich bin über 300 Jahre alt. Ich konsumiere seit meinem 20. Lebensjahr regelmäßig Blut, überwiegend Tierblut. Nur hin und wieder, wenn es mir angeboten wird, trinke ich menschliches. Ob es andere Menschen wie mich gibt, weiß ich nicht so genau. Ich habe mal jemanden getroffen, bei dem ich es sozusagen gespürt habe, dass er so sein könnte wie ich.“ Tom machte eine Pause, damit Anna das bis jetzt gesagte, verdauen konnte. Sie hatte sich unter der Decke zusammen gekauert und zog sie bis zum Hals hoch, schaute aber wissbegierig. Tom erzählte also weiter: „Ich kann anscheinend sehr alt werden. Ich werde so gut wie nie krank und altere nur langsam. Ich habe alle Zeit der Welt. Ich brauche nur wenig Schlaf. Meine Kräfte sind erstaunlich. Wunden heilen schneller, und ich kann Schmerzen ertragen, die ein gewöhnlicher Mensch nicht annähernd aushalten würde.“ Tom schwieg wieder. Er wollte Anna nicht überfordern, aber hatte ein so großes Bedürfnis das mit ihr zu teilen. Sie sagte nichts; ihr schossen tausend Gedanken durch den Kopf. „Ich bin schneller und stärker als andere Menschen oder als ich es früher war“ fügte Tom noch hinzu. „Anna, sagst du etwas dazu?“ Anna schaute ihn mit großen Augen an. „Ich… ich… weiß nicht… das klingt so… keine Ahnung…“ stammelte sie. „Wer weiß noch davon?“ fragte sie. „Niemand“ antwortete Tom wahrheitsgemäß. „Es gab bisher niemanden, dem ich dieses Geheimnis anvertrauen wollte.“ Tom legte seine Hand auf ihre, die unter der Decke hervor sah. Anna zog sie erschrocken zurück, was ihr jedoch sofort Leid tat. „Ich habe endlich jemanden gefunden, mit dem ich mein Leben teilen möchte“ sagte Tom und sah ihr tief in die Augen. Anna schmolz dahin. „Aber dieses Leben ist sehr lang, und ich habe Angst dich eines Tages zu verlieren“ gab Tom zu. „Bleibst du heute Nacht hier?“ fragte er unvermittelt. Anna sah ihn überrascht an, nickte aber. Sie wollte unbedingt bei ihm bleiben. Ihr schossen plötzlich viele Gedanken durch den Kopf… jedes jemals geschriebene Buch lesen, jede gesprochene und ausgestorbene Sprache lernen, alle Filme schauen, die je gedreht wurden, jede Pflanze und jedes Tier mit lateinischem Namen nennen können, die Welt sehen, ja und dann? Anna war jedoch zuversichtlich, dass es dann neue Möglichkeiten geben würde. Und wenn nicht? Dieser Gedanke formte sich unweigerlich in ihrem Kopf. Wie viele Jahre würden bis dahin vergangen sein? Was passiert, wenn geliebte Menschen nach und nach alle sterben? Wie kann man seine Natur verbergen oder glaubhaft aufrechterhalten?

Sie hatten die halbe Nacht geredet, bis Anna eingeschlafen war. Sie vertraute Tom vollkommen. Er hatte ihr erzählt, wie er die Welt bereist hatte, nahezu jede Bibliothek und jedes Museum auf der Welt besucht hatte und schließlich über ihren Schlaf gewacht. Was war schon eine Nacht im Gegensatz zu 300 Jahren. Am nächsten Morgen ließ er ihr Frühstück kommen und verschwand für einige Stunden. Anna saß in der Bibliothek und ließ sich das Gespräch vom Vorabend intensiv durch den Kopf gehen. So richtig realisieren konnte sie das alles noch nicht. Sie hatte ja schon immer geglaubt, dass es mehr gab, als die Wissenschaft behauptete, aber nie hätte sie gedacht, dass sie es so hautnah erfahren würde.

Als Tom zurückkam, saß sie im Wohnzimmer mit einem der wunderschönen antiken Bücher in der Hand, welches gerade restauriert worden war. Tom setzte sich neben sie und nahm ihre Hand. Sie legte das Buch weg. „Tom,“ fragte sie leise „kann jemand… könnte ICH so sein wie du?“ Er streichelte ihre Hand, ließ seine Finger über ihr Handgelenk und den Unterarm bis hoch zum Oberarm und zu ihrer Schulter gleiten. Ein wohliger Schauer überkam sie. Er sah ihr tief in die Augen. „Ich denke, das bist du schon.“ Erstaunt sah ihn Anna an. „Wie meinst du das?“ fragte sie überrascht. Er nahm ihre Hand in seine. „Deine Sinne sind viel schärfer als die der meisten Menschen. Du kannst dich fast vollständig kontrollieren, in jeder erdenklichen Situation. Hitze setzt dir zu, genau wie Kälte. Ich glaube, du bist ein geborener Vampyr, so wie ich.“ Er sah ihr direkt in die Augen. Die Erinnerung an die Kostprobe im Club stieg in ihr auf. Wie sie sich da gefühlt hatte, so stark und mächtig, konnte doch kein Zufall gewesen sein. „Was ist denn mit den Leuten im Dark Rose?“ fragte sie. „Das sind einfach Menschen, Gothics, moderne Vampyre, die gern mal am Wochenende einen Tropfen Blut konsumieren und die Atmosphäre unter ihresgleichen genießen. Von denen ist keiner wie ich. Ich sehe, wie sie täglich älter werden.“ Tom lächelte belustigt. „Wie bist du eigentlich damals auf die Idee gekommen Blut zu trinken?“ wollte Anna wissen. „Oh, das war Zufall“ antwortete Tom. „Auf dem Hof meines Vaters gab es regelmäßig Schlachtfeste. Bei diesem einen Fest, damals als ich 20 war, hatte ich das Bedürfnis das Blut zu kosten. Nachdem ich das getan hatte, fühlte ich mich plötzlich so stark und war hellwach und voller Energie. Ich war fasziniert. Ich begann dann im Wald Wild zu jagen, zuerst Hasen, dann auch Rehe, um an deren Blut zu kommen. Damals ging das ja alles noch so einfach. So merkte ich, dass das Blut bei mir etwas bewirkte, was ich bis dahin nicht kannte und wovon ich auch noch nie gehört hatte. Nachdem ich dann 10 oder 20 Jahre regelmäßig Blut konsumiert hatte und immer noch keinen Tag älter war, weder äußerlich noch gefühlt, erkannte ich die Magie darin. Das brachte natürlich neue Komplikationen mit sich. Jeder, der mich kannte, wunderte sich darüber. Also musste ich in der Folge regelmäßig meinen Lebensmittelpunkt verlegen. Deshalb bin ich auch so viel rumgekommen.“ Anna hörte fasziniert zu. „Aber wie kannst du dann sowas hier haben?“ Sie schaute sich im Raum um. „Dieses Anwesen? Nun ja, die Anwaltsgesellschaft, die mich vertritt, hat genau dafür ein gewisses Talent.“ Er schmunzelte, wollte das Thema aber nicht näher ausführen. „Mit den Identitäten ist das natürlich auch so eine Sache. Man braucht eben die richtigen Leute dafür. Zeugenschutzprogramme kann man nicht nur für tatsächliche Zeugen nutzen.“ Tom zwinkerte sie an. Anna lächelte. Mehr brauchte sie nicht zu wissen.

Fortsetzung folgt…